25 Jahre WADA: Ein Segen für den Kampf gegen Doping?

Stand: 11.03.2024 19:59 Uhr

Doping existiert im Sport schon lange: In den 1950er Jahren dopten sich Athleten vor allem mit Aufputschmitteln, später dann auch mit anabolen Steroiden und Blutdopingmitteln. Weil der Betrug überhandnahm, wurde 1999 die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) gegründet. Bei ihrem Symposium in dieser Woche feiert die WADA ihr 25-jähriges Bestehen.

Die Fechterin Léa Krüger gehört zum Präsidium von Athleten Deutschland. In dieser Funktion setzt sich Krüger für die Rechte der Sportlerinnen und Sportler ein. 25 Jahre WADA? Klar sei das ein Anlass zum Feiern, sagt sie. Die Gründung der Welt-Anti-Doping-Agentur 1999 war aus ihrer Sicht ein riesengroßer Gewinn und Fortschritt.

“Es haben sich, glaube ich, 190 Staaten der WADA und dem dahinter stehenden UNESCO-Abkommen angeschlossen”, so Krüger. Mit dem WADA-Code sei erstmals ein weltweit einheitliches Dopingregelwerk geschaffen worden. “Es gibt eine Liste, mit Medikamenten, die verboten sind, und die sind für alle Athletinnen und Athleten verboten.”

Verbotsliste, ADAMS-Meldesystem und Blutpass

Der Kampf gegen Doping wird seitdem von der WADA, einer neutralen Stelle, organisiert. Und nicht mehr von den Sportverbänden selbst. “Das war ein großes Problem, und ich glaube, das ganze unabhängiger zu gestalten, nachhaltiger zu gestalten, und dann entsprechend auch glaubwürdiger für den Sport”, sagt Lars Mortsiefer, der Vorsitzende der Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA), dem nationalen Ableger der WADA in Deutschland.

Weitere Meilensteine: Das Meldesystem ADAMS, mit dem Athleten online ihre Aufenthaltsorte für unangekündigte Dopingtests angeben müssen. Oder der sogenannte Blutpass. “Ein Instrument, was in der Lage ist, unterschiedliche Blutparameter über einen längeren Zeitraum, zu betrachten und dann tatsächlich auch Doping zu detektieren”, so Mortsiefer.

Ab 2014 dann die Aufarbeitung des russischen Dopings-Systems mit Hilfe von Untersuchungskommissionen und dem kanadischen Ermittler Richard McLaren. “Mehr als 1000 russische Athleten aus Sommer und Wintersportarten sowie dem Behindertensport waren in das Vertuschungssystem involviert, und haben davon profitiert”, erklärte McLaren damals.

Ist die WADA wirklich unabhängig?

So weit so gut. Wäre da nicht die Kritik, dass der Sport nach wie vor einen zu großen Einfluss hat. Und viel zu viele Vertreter der Sportverbände und des Internationalen Olympischen Komitees in den Führungsgremien der WADA sitzen. “Für uns Athleten wäre es auf jeden Fall wünschenswert und sinnvoll, wenn die WADA unabhängiger agieren könnte”, sagt auch Léa Krüger.

Die WADA verweist unterdessen auf ihren Reformprozess. Und dass den Führungsgremien inzwischen auch Athletenvertreter angehören. Das geht Léa Krüger aber nicht weit genug. “Ja, wir können zum Teil mitreden, aber wir können nicht wirklich mitbestimmen”, gibt sie zu Bedenken. “So wirklich mal eine Stimme zu äußern, die eben gleichberechtigt auf der gleichen Ebene wie die mit dem organisierten Sport ist, oder vielleicht auch ein bisschen mehr wiegt, weil am Ende geht es ja um uns. Das haben wir momentan noch nicht.”

Travis Tygart, der Chef der Anti-Doping-Agentur der USA, kritisiert, dass für Sportoffizielle und Regierungsvertreter nicht dieselben Regeln gelten, wie für die Sportler: “Nach dem russischen Dopingskandal sollte eigentlich eine Regelung eingeführt werden, dass auch die Leute, die im Hintergrund das Doping organisieren, bestraft werden können. Aber diese Regel wurde dann doch wieder gestrichen. Das war ein Schlag ins Gesicht für die sauberen Sportler.”

Umfeld der Doper bleibt meist unbehelligt

Auch Athletenvertreterin Léa Krüger fordert, das Umfeld der Sportler endlich auch in den Fokus zu nehmen. “Ein Athlet kommt sehr selten auf die Idee, ich greife jetzt zu Dopingmitteln, und selbst wenn er es tut, braucht er ein System dahinter, was ihn unterstützt. Und deswegen ist es umso wichtiger, diese ganzen Strukturen und das Umfeld von uns Athleten diesbezüglich auch mehr in die Pflicht zu nehmen Und daran hängt natürlich dann auch, diejenigen bestrafen zu können, die es tun. Und das fehlt jetzt wieder”, sagt Krüger. “Und deswegen ja, ich würde mir sehr wünschen, dass genau dieser Punkt in der Zukunft immer wieder angegangen wird, und wir es auf jeden Fall irgendwann schaffen werden, dass das in den WADA-Code aufgenommen wird.”

Gerade jetzt, in der Qualifikations-Phase für Olympia in Paris, wird Léa Krüger streng von der deutschen NADA getestet. Fechterinnen anderer Nationen, sagt sie, hätten viel weniger Kontrollen: “Und da fragt man sich natürlich schon als Athletin, wie kann das denn sein, dass das hier in Deutschland so engmaschig ist, und in anderen Ländern überhaupt nicht. Da würde ich mir auf jeden Fall ganz klar wünschen, dass das in Zukunft noch mehr standardisiert wird. Und dass die WADA da vor allen Dingen noch mehr ein Augenmerk darauf hat.”

Mit der Gründung der WADA und den Fortschritten der ersten 25 Jahre wurde schon viel erreicht – es bleibt aber offensichtlich noch jede Menge zu tun.

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