Linus Straßer über Träume, Ziele und die Krise im DSV

Stand: 14.03.2024 12:00 Uhr

Auch wenn der Traum von der kleinen Kristallkugel vorzeitig geplatzt ist, kann Slalom-Spitzenfahrer Linus Straßer auf eine großartige Saison zurückblicken. Das Saisonende mit dem Weltcup-Finale in Saalbach-Hinterglemm kommt daher eigentlich zu früh.

Was passiert wäre, wenn der Weltcup in Kranjska Gora zuletzt nicht dem Regen zum Opfer gefallen wäre, lässt sich nur vermuten. Eine Hypothese wäre aber mit Sicherheit nicht völlig aus der Luft gegriffen: Linus Straßer hätte einmal mehr in diesem Winter zu den Favoriten auf den Sieg gezählt. Der 31-jährige Münchner befindet sich in der Form seines Lebens. Zwei Weltcup-Siege und insgesamt vier Podestplätze in einer Saison waren ihm zuvor noch nie gelungen.

Dass er im Kampf um die kleine Kristallkugel dem Österreicher Manuel Feller den Vortritt lassen muss, weil Kranjska Gora ausfiel, lässt sich daher auch ein Stück weit verschmerzen – so sieht es auch Straßer im Gespräch mit der Sportschau: “Als Sportler willst du so etwas natürlich in einem Wettkampf klären. Aber ich bin da Realist: Der Manuel hat es über die gesamte Saison für sich entschieden und die Chance für mich wäre doch relativ klein gewesen – trotzdem ist es schade um die Situation, der Sport schreibt halt manchmal komische Geschichten.”

“Es war mehr als Kitzbühel und Schladming”

Straßer hat in dieser Saison endgültig bewiesen, dass er zu den besten Technikern im Weltcup zählt. Nicht zuletzt seine Siege bei den prestigeträchtigen Rennen in Kitzbühel und Schladming zeigen, dass Straßer die richtigen Schlüsse in der Vorbereitung gezogen hat.

Jubelschrei: Linus Straßer nach seinem Sieg in Kitzbühel 2024

“Es war auf jeden Fall die beste Saison meiner Karriere”, sagte er jetzt vor dem Finale in Saalbach. “Nicht nur wegen der Siege in Kitzbühel und Schladming, sondern vor allem wegen der Konstanz und Konkurrenzfähigkeit über eine komplette Saison – das ist einfach das Schwierigste.” Und genau diese Konstanz war das, was er sich vor der Saison auf die Fahnen geschrieben hatte.

Adelboden und Olympia als große Träume

Doch satt ist er noch lange nicht. Nach seinen Träumen und Zielen befragt, sagt er: “Mein Lieblingsrennen in Adelboden möchte ich einmal gewinnen, das ist so ein geiles Rennen von der Stimmung und vom ganzen Drumherum. Die Gams in Kitzbühel als Trophäe ist natürlich eine Institution, aber die Glocken von Adelboden – das ist einfach etwas Besonderes.”

Auch den Olympischen Spielen in Italien gilt sein Fokus: “Es geht gar nicht darum, unbedingt dort Gold zu holen. Aber ich habe jetzt zwei Olympische Spiele in Asien erlebt, die nicht das waren, wo ich als Kind von geträumt habe. Ich hoffe, dass ich die jetzt in Mailand erleben darf.”

Saison von Straßer und Dürr hat “das Ruder rumgerissen”

Ski alpin in Deutschland hat es aber derzeit aus Straßers Sicht nicht leicht: “Es ist keine einfache Zeit im Moment. Aber umso besser waren die Saison von Lena Dürr und mir – das hat schon das Ruder herumgerissen.”

Dass Deutschland derzeit nicht im Ansatz so viele Talente hervorbringt wie beispielsweise Norwegen, erklärt Straßer der Sportschau so: “Ich frage mich das auch oft, zumal Norwegen nicht mal so viele Einwohner hat wie Bayern. Es ist für mich eine gesellschaftliche Frage: Welche Rolle hat der Sport, wie wird er gefördert, angefangen in den Schulen und weiter bei den Ehrenamtlichen im Nachwuchs. Und bei uns wird in einem Wintersportort wie Berchtesgaden einfach das Skigebiet zugemacht – sowas darf es einfach nicht geben.”

Drittes Podest in Serie winkt

Jetzt, vor dem Weltcup-Finale in Saalbach-Hinterglemm, will Straßer seine bestechende Form noch einmal bestätigen. In den USA fuhr er zuletzt jeweils um den Sieg mit, vor allem sein Auftritt in Aspen zeugte von großer Klasse, als er von Platz sechs noch auf Rang zwei fuhr und sich nur Loic Meillard geschlagen geben musste. “Da habe ich das Gaspedal zur richtigen Zeit und an den richtigen Stellen gefunden”, erklärt Straßer sein simples Erfolgsrezept.

Mit der WM-Strecke von 2025 hat er auf jeden Fall noch eine Rechnung offen. Bei seinem bisher einzigen Start am Zwölferkogel vor sechs Jahren schied er im ersten Durchgang aus. Daneben lockt das dritte Podium in Serie – auch das wäre eine Premiere und zugleich ein Ausrufezeichen an die Konkurrenz für den nächsten Winter. Straßers Traum von der ersten Slalom-Kristallkugel für einen Deutschen seit Armin Bittner (1990) ist schließlich nur aufgeschoben: “Nächste Saison wird wieder voll angegriffen”, lässt er gegenüber der Sportschau keine Zweifel aufkommen.

Neben den aktuellen sportlichen Themen gibt Straßer im Wintersport-Podcast der Sportschau Einblicke zu seiner Person. Was er vom verstorbenen ehemaligen Stabhochspringer Tim Lobinger gelernt hat und wieso Straßer einen hohen Wert auf die Kunst der Selbstreflexion legt, erfahren Sie hier.

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